|
Gerne
würde ich jeder Insel einen eigenen
Absatz gönnen, doch es wird meinen
Kenntnissen dieser Inseln nicht ganz gerecht.
Da ich bislang nicht in der Lage war auf
den Insel zu übernachten, habe ich
mich mit Kurztrips begnügt. Diese Kurztrips
waren aber nicht weniger schön.
Es
gibt einige wenige Schiffs-Verbindungen
zu diesen Inseln, die einen Tagestrip zulassen.
Ich bin also bei meinen letzten Besuchen wie folgt vorgegangen:

|
Abfahrt ab Moskenes
mit der normalen Autofähre
nach Bodø |
13:15 Uhr |
|
Ankunft in Værøy,
aber auf dem Schiff bleiben |
15:00 Uhr |
|
Ankunft und Aussteigen
in Røst |
17:00 Uhr |
|
Abfahrt ab Røst
mit der normalen Autofähre
nach Moskenes |
19:45 Uhr |
|
Ankunft in Varøy,
aber auf dem Schiff bleiben |
22:00 Uhr |
|
Ankunft und Aussteigen
in Moskenes |
23:45 Uhr |
Das ganze Unternehmen kostete
damals 144,- NOK, d.h. rund 20,- Euro und
war ein spitzenmäßiger Tag mit
nur Sonne, zumindest so viel Zeit, dass
man in Røst bis zur Kirche gehen
konnte und eine wahnsinns Mitternachtssonne
über dem Moskenestraumen erlebte - wer will
mehr?
Zuletzt,
im Juni, war es etwas schwieriger, da
der Fahrplan just zu diesem Zeitpunkt umstellte.
Bis Ende Mai war es nicht möglich,
einen Tagestrip zu machen. Der Fahrplan
endete am 1. Juni und ging weiter am 4.
Juni. Nach langem Suchen fand ich dann einen
Fahrplan, der auch für den 3. Juni
galt und dort war die Fähre nach Værøy
enthalten. Nach intensivem und mehrmaligem
Nachfragen in der Touristeninfo in Moskenes
und bei den Mitarbeitern der Fähre
wurde mir versichert, dass die Fähre
tatsächlich fährt -
und sie fuhr. Unser Mietwagen, den wir mitgenommen
hatten, um Værøy in 4 Stunden
zu erobern, war übrigens das einzige
Auto auf der Fähre.
Wenn
man also die Inseln in einem oder zwei Tagen
erleben will, sollte man sich unbedingt
viel Zeit für das Studieren des Fahrplanes
lassen, sonst hat man ungewollt plötzlich
eine Woche Zeit auf den Inseln.
| |
Vom Sturm verweht - Ein Italiener auf Røst
Im April des Jahres 1431 verließen der venezianische Kaufmann und Adelige Pietro Querini und seine Mannschaft die Insel Kreta mit dem Ziel Flandern. Im Ärmelkanal wurden sie von einem Unwetter überrascht und mußten sich auf zwei kleine Boote retten, die bald auseinandertrieben. Querini und seine Männer hatten anfangs noch Wasser und Wein zu trinken, doch bald litten sie unter Durst und Kälte. Als sie Anfang Januar 1432 schließlich auf der Insel Sandøya südlich von Røst landeten, waren nur noch elf der ursprünglich 68 Mann am Leben. Es war ein Wunder, daß nicht auch sie verhungert, verdurstet oder auf Felsklippen gestrandet waren.
Sandøya war eine unbewohnte Insel, die im Sommer als Weideplatz für das Vieh genutzt wurde. Nach einigen Tagen fanden die Schiffbrüchigen einen Stall, in dem sie unterkommen konnten. Sie ernährten sich von Schnee und Muscheln, einige Tage lang sogar von einem großen Fisch oder Wal, der an den Strand geschwemmt worden war. Nach mehreren Wochen wurden sie endlich gefunden und nach Røst gebracht. Mit Hilfe eines Priesters kam die Verständigung - auf Latein -zustande. Querini und seine Männer wurden auf verschiedene Røst-Familien aufgeteilt, bei denen sie drei Monate lang wohnten. Im Mai konnten sie sich auf einem Stockfischfrachter Richtung Bergen einschiffen und von Trondheim aus die Heimreise antreten. Nach seiner Rückkehr schrieb Querini einen höchst informativen und einzigartigen Reisebericht, der aufschlußreiche Einblicke in das Leben der Inselbewohner gewährt.
Auf Røst wohnten damals 120 Menschen, darunter 70 Kirchgänger (der Rest vermutlich Kinder), die jeden Sonntag die Messe besuchten und sehr fromm waren. Die Menschen waren reinlich, sahen gut aus, waren gastfrei und sehr freundlich. Sie hatten allerdings höchst befremdliche Sitten: Männer und Frauen zogen sich jeden Donnerstag im gleichen Raum nackt aus und gingen gemeinsam in die Sauna. Auch schienen sie sich voll und ganz auf einander verlassen zu können, denn sie ließen ihre Häuser unverschlossen, auch nachdem die Fremden eingezogen waren.
Die Häuser waren rund, aus Holz gebaut und hatten nur ein Loch im Dach, durch das der Rauch der Feuerstelle abzog. Wurde die Feuerstelle nicht gebraucht, deckte man die Öffnung im Winter mit durchsichtiger Fischhaut ab, die die Wärme im Raum hielt. Die Røstvaeringer trugen Kleider aus grobem englischen Wollstoff, den sie in Bergen kauften. In der Hauptsache lebten sie von Fisch, den sie trockneten und von dem sie im Mai größere Mengen nach Bergen brachten, um ihn dort gegen Korn, Wolle, Stoffe usw. einzutauschen.
Über den Stockfisch schreibt Querini: "Der Stockfisch wird in Sonne und Wind getrocknet und wird dabei so trocken wie Holz. Wenn man ihn essen will, muß man ihn mit einem Beil weichschlagen. Um des Geschmackes willen werden Butter und Kräuter hinzugefügt."
Korn bauten die Røstværinger nicht an, aber die meisten Familien besaßen vier bis sechs Kühe. Im Frühjahr sammelten sie Vogeleier und bereiteten daraus leckere Pfannkuchen.
Daß es in der Zeit von Januar bis Mai ununterbrochen geschneit haben soll, dürfte jedoch eine Fehlerinnerung des Italieners sein, denn Rost hat das mildeste Klima von ganz Norwegen. Die Wassertemperatur sinkt nie unter 4 °C, und auch im Winter liegt die Durchschnittstemperatur immer über dem Gefrierpunkt.
| |

|