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Ein Mausoleum für den Fisch |
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Kunst und Kultur - Ein Mausoleum.... - Stand 03.01.05 |
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v. Robert Haidinger - Der Standard 9.7.99 |
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Norwegen:
Nicht postmodern die Architektur, sondern
traditioneller Lofotenstil. Auch nicht ganz
so modernistisch-funktional wie das Blechgehäuse
der Sardinen Wenn im Frühsommer die ersten Touristen per "Hurtigruten"-Schnellschiff oder mit dem Auto auf der Europastraße über Narvik an der norwegischen Inselgruppe anreisen, ist der große Fischzug der Lofotfischer längst schon vorbei. Das klare Licht der langen, subpolaren Tage enthüllt dann eine andere, weichere Seite der schroff aufragenden Inseln, die wie Haifischzähne aus dem bleigrauen Meer auftauchen. Letzte Schneereste lagern zwischen den Falten der schroff gezackten Wände. Hie und da kriecht grüner Flaum über die gut 1000 Meter hoch aufragenden Flanken. Ein Dorf kommt darunter in Sicht: Mole, Fischerboote und Häuser, die sich wie bunte Bauklötze unter die archaische Strenge des vom Eis zerschrundeten, vom Wind gepeitschten Granitgebirges ducken. Wenig später: Möwengekreische, das Tosen der Brandung, heulende Windböen. Und dennoch viel, viel Ruhe: für die angereisten Gäste, um sich endlich einmal wie Captain Iglo und Sir Irish Moos in einem zu fühlen, mit Salzgischt auf der steifen Oberlippe und kennerischem Blick auf rotschnäbelige Papageientaucher in einsamen türkisgrünen Kieselbuchten. Und Ruhe auch für die einheimischen Fischer - etwa um endlich einmal die verwitterte Fischerkate neu zu streichen. In knalligem Rot, kräftigem Gelb oder hartem Blau. Und wenn es sein muß, auch gegen Mitternacht, dann, wenn das Licht besonders sanft und weich vom Himmel träufelt. Doch der Mythos rund um die seit 5000 Jahren besiedelten Inseln, die im Örtchen Borg auch mit dem Kulturrelikt eines besonders gut erhaltenen Wikingerhauses aufwarten können, und die Geschichten, die sich im Laufe der dunklen Polarwinter allmählich zur nordischen Heldensage der Lofotfischer verdichten sollten, wurden dennoch während der feuchtkalten Fangsaisonen, zwischen Jänner und April geschrieben. Literaten und Romanciers wie Edgar Allen Poe und später Johan Bojer entdeckten den entlegenen Archipel bereits seit dem frühen 19. Jhdt. als Erzählrahmen von Geschichten, denen die Tagesrealität der einst über 30.000 aus allen Teilen Norwegens angereisten Fischer um nichts nachstand. In heute oft verwaisten, traditionellen Holzhütten, den "Rorbuer", drängten sich die Männer während des "Steam", des großen Fischzuges, während draußen im Westfjord der Kabeljau aus dem Barentsmeer laichte und sich der idealen Temperatur des Golfstroms erfreute. Manche dieser unwirtlichen, düsteren Tage waren in der Tat aus dem Stoff, aus dem sich Mythen weben lassen. Etwa jener des großen Unglücks vom 11. Februar 1849, als ein plötzlich hereinbrechender Orkan im Westfjord mehr als 300 Fischer in die Tiefe riß. Ebenfalls stürmisch - nur freudvoller - wurden wohl auch die Rekordtage des Fischfangs von 1947 begangen, als nach der kriegsbedingten Pause 146.000 Tonnen Kabeljau aus der See geholt wurden und ein ganzer Archipel im Taumel lag. Doch die Tage, als der Fjord vor Rückenflossen siedete, die Männer "in Fischen ruderten", wie Johan Bojer 1921 in seinem Roman "Die Lofotfischer" beschreibt, nahmen in den achtziger Jahren ein jähes Ende. Das "Gold der Lofoten", der in zwölf Qualitäten gehandelte Stockfisch, schaukelt seither, geschützt durch strenge Fangquoten, zwar wieder etwas häufiger an den zahllosen Gestellen der Inseln. Doch die großen Tage des "Steam" sind bis auf weiteres vorbei. Ein eigenes Stockfisch-Museum wurde dem Kabeljau bereits vorausblickend gewidmet, und im Örtchen Kabelvåg erinnern noch einige schaukelnde Nordlandboote, Sechs- oder Zehnruderer, an die Tage der legendären Fischzüge. Besser
entwickelten sich die Touristenschwärme,
die hier Ausflüge auf unbewohnte Vogelinseln
unternehmen oder im benachbarten Vesterålen
Europas beste Whale-Watching-Optionen vorfinden.
Wozu sich schließlich auch jede Menge
nostalgische Lofoten-Romantik gesellt -
und mitunter viel ausgehöhlte Kulisse:
All die verwaist wirkenden, auf kleinen
Steininselchen zusammengepferchten Orte,
die an jeder dritten Serpentine zwischen
rundgelutschten Granitklippen und spiegelglatten
Buchten auftauchen? Berherbergen heute neben
Stockfisch, Booten und antiquierten Krämerläden
eben auch Cafèterias, Pizza-Buden
und zahlreiche kleine Galerien.
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aus DER STANDARD - 09. Juli 1999 - mit freundlicher Genehmigung des Verlages - Danke |
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