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Mittsommernacht

  Mittsommernacht bei Sankt Hans?!

 

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Kunst und Kultur - Mittsommernacht - Stand 08.02.05    

 

v. Christine Werminghaus

Nachfolgend einige Informationen zu den unterschiedlichen nordischen Mittsommernachtsbräuchen, die Christine aus verschiedenen Quellen für mich zusammengetragen hat: 

(aus dem Norwegischen) 
Mittsommer 21. Juni 

Mythologisch 
Der Sonnengott ist auf der Höhe seiner Kraft. Der Samen, der gesät wurde ist zu keimen angefangen und die Göttin, die Königin des Sommers, trägt das Kind der Sonne unter ihrem Herzen. Sie krönt den Gott zum König der Sonne, und sie teilen die Verantwortung. Es ist eine Erfüllung des Verhältnisses zwischen Gott und Göttin, eine Art Ehevertrag. Ab jetzt werden die Tage kürzer, und der Gott wird nun Herr über das kürzer werdende Jahr.  

Physisch (das Äußere / in der Natur) 
Höhepunkt des Lichts, der längste Tag des Jahres. Die Sonne liebkost die Erde, und die Erde wird von Überfluss gefüllt. Erfüllung.  

Psychisch (das Innere / psychologisch) 
Wir feiern die Kräfte des Lichtes und des Lebens, aber wir wissen zugleich, dass der Zyklus weitergehen muss und dass die Tage von nun an kürzer werden. Sowohl Sonne als auch Regen sind notwendig, und wir lernen, dass wir auch Trauer fülen müssen um Freude fühlen zu können. Erst dann erfassen wir das Ganze. 


(aus dem Schwedischen) 

Der Brauch mit dem Errichten von Maibäumen stammt aus dem 15. Jahrhundert, ein Brauch der aus Deutschland entliehen wurde. Lange Zeit gab es auch den Brauch Mittsommerfeuer zu entfachen, besonders in den alten dänischen und norwegischen Landschaften Skåne und Bohuslän, jedoch auch in Jämtland und Härjedalen. Sie werden immer noch in Finnland, Norwegen und Dänemark entfacht. Dort sind sie als Sankt Hans Feuer bekannt. 

Das Errichten des Maibaumes und die dazu gehörenden Feste waren vielerorts für lange Zeit verboten. Es gibt Berichte, nach denen bis ins 19. Jahrhundert hinein das Errichten von Maibäumen mit Bußgeldern geahndet wurde. Schließlich war der Mittsommer kein kirchliches Fest und da konnte es natürlich nichts Gutes verheißen.... Einige Historiker betrachten das Mittsommerfest nur als eine Fortsetzung des heidnischen Brauches, nach dem in dieser Zeit die Göttin der Fruchtbarkeit Freia gefeiert wird. 


(aus dem Dänischen)  
Warum feiern wir Sankthans (Jonsok)? 

Es ist ein uralter Brauch Mittsommer zu feiern. Die Dänen haben dies seit Odins und Thors Tagen getan. Der 21. oder 22. Juni ist Sommersonnenwende mit dem längsten Tag des Jahres, und Sankthansabend feiern wir am 23. Juni. Nach Sankthans werden die Tage wieder kürzer, bis hin zur Wintersonnenwende im Dezember. 

Sankt Hans bedeutet eigentlich "der heilige Hans"- und es ist Johannes der Täufer, von dem hier die Rede ist. Er und Jesus teilten das Jahr zwischen sich auf, so jedenfalls meinten die ersten Christen. Aber wenn die Schriftgelehrten berechnet hatten, dass Jesus am 25. Dezember geboren war, warum hatte Johannes nicht am 25. Juni Geburtstag? Weil die Schriftgelehrten es anders ausdrückten. Sie sagten, dass Jesus 6 Tage vor dem 1. Januar geboren sei, und Johannes 6 Tage vor dem 1. Juli, also am 24.Juni. 

Am Sankthans ist die ganze Natur mit einer Kraft erfüllt, die sie von der Sonne am längsten Tag des Jahres aufgesogen hat. In früheren Zeiten meinten die Abergläubigen, dass die Kraft nahezu magisch sei. In der Sankthansnacht sammelten die Weisen Frauen und die Weisen Männer (die Ärzte der damaligen Zeit) viele der Heilkräuter, die sie im Laufe des Jahres für die Heilung der Menschen verwenden wollten, z.B. die hübsche lila-glockige Pflanze Fingerhut (Digitalis), die todbringend ist, wenn sie in größeren Mengen eingenommen wird, die aber helfen konnte Herzprobleme zu beseitigen, wenn sie mit vorsichtiger Hand angewandt wurde. Die Arztwissenschaft hat diese Weisheit übernommen.  

Am bekanntesten war das Sankthanskraut (sedum telephium), von dem man meinte, dass es die verwunderliche Eigenschaft besäße, das Schicksal der Menschen vorauszusagen. Das Ritual schrieb vor, dass ein Mädchen zwei Sankthanskräuter pflücken sollte, eines für sich selbst und eines für den Jüngling, auf den sie ein Auge geworfen hatte. Sie befestigte so die Kräuter an einem Balken des Dachbodens. Wenn die Zweige nun aufeinander zuwuchsen, war dies ein gutes Zeichen, aber wenn sie voneinander wegwuchsen, musste sie es im kommenden Jahr mit zwei neuen Sankthanskräutern noch einmal versuchen. Es ist im Übrigen mehr als einmal geschehen, dass der Auserwählte heimlich die Kräuterzweige miteinander verwickelt hat. 
 

Aber das Verwunderlichste an der Sankthansnacht war das mirakulöse Wasser in den heiligen Quellen: es werde in Medizin verwandelt, so glaubte man. Überall im Land gab es solche Quellen zu denen man wallfahrte. Einige tranken von dem Wasser und andere wuschen sich darin, und man übernachtete auch bei der Quelle. Der Brauch die heiligen Quellen in der Sankthansnacht zu besuchen ist fast verschwunden, im Gegensatz zum Brauch mit den Sankthansfeuern. 
 

Quellbesuch und Feuer gehörten nämlich zusammen. Man sagte, dass man "Sankthansfeuer" oder "Freudenfeuer" entzündete, und das wurde in aller Regel an einem hoch gelegenen Punkt entfacht, sodass das Feuer auf langen Abstand sichtbar war. Der Schein des Feuers, welches oft nur aus auf Stangen aufgestellten Strohballen bestand, sollte alles Böse - Hexen und böse Mächte - von der feierlichen, fast heiligen Mittsommernacht fernhalten, glaubte man. Während das Feuer brannte, spielten oft lokale Spielleute auf und man sang und tanzte, die Alten sahen zu und freuten sich, während die Kinder lange aufbleiben durften. 

Die Sankthanshexe, die wir auf dem Mittsommernachtsfeuer verbrennen, verstärkt den Glauben, dass Hexen und böse Mächte besonders am Sankthansabend gefährlich sind. Weder im Judentum noch im Christentum glaubte man an Hexen in den ersten 1000 Jahren. Erst im 13. Jahrhundert kam der Hexenaberglauben ernsthaft ins Bild, und in den folgenden Jahrhunderten entwickelte er sich mit erschreckenden Folgen für viele Frauen (und Männer) in ganz Europa. In Dänemark wurde die erste "Hexe" 1540 in Stege auf dem Scheiterhaufen verbrannt, und die letzte offizielle Hexenverbrennung fand 1693 statt. Doch noch spätestens 1722 kam eine "Hexe" auf den Scheiterhaufen und 1897 wurde eine sogenannte "Hexe" in Vendsyssel gelyncht. Allein in Dänemark verloren bis zu 1000 "Hexen" ihr Leben in den Flammen.  

Ansonsten gibt es in den alten Erzählungen - oder auf den bekannten Malereien - keine Hinweise darauf, dass man am Sankthansabend Hexen verbrannt hat. Erst in den 20iger und 30iger Jahren dieses Jahrhunderts wurde das Sankthansfeuer mit der Hexe eine groteske und makabere Erinnerung an die Hexenverbrennungen früherer Zeiten. In Schweden und Norwegen, wo man auch Mittsommer- oder Sankthansfeuer hat, kennt man solche modernen "Hexenverbrennungen" nicht. Dagegen sind sie in gewissen Gegenden in Deutschland und Österreich bekannt, wo man am Sankthansabend etwas wie eine "Hexe" in Bedeutung einer Strohpuppe verbrennt. 

In Europa kennt man viele verschiedene Strohpuppen, die jeweils unter verschiedenen Namen - z.B. Judas - und Bezeichnungen auf dem Feuer zu verschiedenen Jahreszeiten verbrannt wurden. Aber niemals als "richtige" Hexen. In Dänemark trifft man wie erwähnt zum ersten Mal in den 1920igern auf die Sankthanshexe. Das ist in der Gegend um Kalundborg, wo viele deutsche Arbeiter während des 1. Weltkrieges auf der Schiffswerft beschäftigt waren. Vielleicht ist die Hexe durch sie in das dänische Mittsommerfest gekommen? Das einzige, was wir mit Sicherheit wissen ist, dass es eine neue Tradition ist und dass diese Tradition ursprünglich eine deutsche ist. 

Das eigentliche Sankthansfeuer - und das Mittsommerfest - ist eine schöne Tradition, die fortgesetzt werden sollte. In Schweden ist man so klug gewesen, dass man ab 1953 den Sankthansabend auf einen Samstag legte, damit die Leute ihren Rausch nach dem Fest ausschlafen konnten.  

 

Was das Feiern in Norwegen betrifft 

Hier in Norwegen feiert man Sankt Hans, man nennt es auch Jonsok, am Sankthansabend, also dem 23. Juni. Warum wir das Fest feiern, ist oben schon zur Genüge erläutert. Wie wir das Fest feiern, ist eigentlich recht unterschiedlich, abhängig davon wo im Land man sich befindet. An der Küste um den Oslofjord ist es sehr beliebt an diesem Abend in die Boote zu steigen und den Abend auf dem Wasser zu verbringen. Im Allgemeinen jedoch versammelt man sich zu einem gemütlichen Beisammensein, das im Zeichen von Familie und Kindern steht. Es wird gegrillt oder Musik gemacht. Manchmal wird auch getanzt. Der Höhepunkt ist in jedem Fall das Sankthansfeuer. Nicht immer jedoch bekommt man die Erlaubnis der Feuerwehr. Eigentlich ist ja das Entfachen von offenem Feuer in der Zeit von April bis Oktober verboten und so bedarf es einer besonderen Genehmigung, die häufiger schon mal verweigert wird, wenn es extrem trocken ist. Das habe ich mehrere Male an unserem Wohnort in Ostnorwegen erlebt. Bei uns hier in Alversund bekommen wir immer die Erlaubnis, weil wir einen C-Schlauch von der Feuerwehr ausleihen können, der zum Löschen benutzt wird. 
Was den Genuss von Alkohol angeht, wird es natürlich immer Schwachköpfe geben, die nichts Besseres mit ihrem Leben anzufangen wissen, als sich bei jeder Gelegenheit vollaufen zu lassen. Das kommt allerdings häufig bei privaten Arrangements vor. Dort, wo sich die Leute aus der Nachbarschaft treffen, wirst du kaum erleben, dass jemand Alkohol genießt, besonders nicht wenn Kinder anwesend sind, was ja eigentlich immer der Fall ist. Den öffentlichen Ausschank von Alkohol bei Sankthansfeiern gibt es hier eh nicht. Du wirst vielleicht auch schon mal bemerkt haben, dass der in Deutschland bei jedem Fest obligatorische Bierwagen hier in Norwegen niemals zu finden ist. So etwas gibt es hier schlicht und einfach nicht.  

(Dank an Christine für diese ausführlichen Infos)

Die Autorin 
Christine ist eine mittlerweile nach Deutschland zurückgekehrte Auswanderin. Sie lebte einige Jahre in der Nähe von Bergen.

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